Ärztemangel auch in Hamburger Strafvollzugsanstalten

Geschrieben von karina geideck am in Pressemitteilungen des dbb hamburg

Gemeinsame Presserklärung des Landesverbandes Hamburger Strafvollzugsbediensteter (LVHS)und des dbb hamburg

Resozialisierung und Therapien auf der Kippe
Der Ärztemangel im öffentlichen Dienst ist auch in den Hamburger Justizvollzugsanstalten deutlich spürbar; dadurch sind die Bediensteten und vor allem die Pflegekräfte in den Gefängnissen nicht nur stark belastet, sondern schon jetzt oft überfordert. Eine Kontinuität der ärztlichen Versorgung für Gefangene ist nicht ausreichend gewährleistet.
Durch altersbedingte Abgänge sind drei von elf Ärztestellen in den Hamburger Justizvollzugsanstalten neu zu besetzen. Ausreichende Bewerbungen liegen nicht vor; zahlreiche Werbungsversuche u.a. im Ärzteblatt, HH-Abendblatt usw. blieben weitestgehend erfolglos.
„Ausschlaggebend für das mangelnde Interesse ist hier – wie auch in den Hamburger Gesundheitsämtern – die mäßige Bezahlung für Ärzte im öffentlichen Dienst und vor allem die mangelnde Entwicklungsmöglichkeit im Strafvollzug für Ärzte. Es wird vermehrt auf Honorarkräfte zurückgegriffen, die um einiges teurer als festes Personal und nicht ständig vor Ort sind,“ sagt der dbb Landesvorsitzende Rudolf Klüver.
Das stetig weniger werdende Krankenpflegepersonal der Vollzugsanstalten muss seit Jahren (und in den letzten Monaten extrem) mit immer wechselnden Honorarärzten arbeiten. Eine Kontinuität in der Behandlung der Insassen wird nicht erreicht. 
Der Ärztemangel führt zum Ausfall von Sprechtagen, so dass z.B. Medikationen oder Therapien nicht unverzüglich fortgesetzt oder eingeleitet werden können. Eine kontinuierliche und adäquate medizinische Versorgung ist anstaltsintern kaum noch gewährleistet. Das Erreichen von Vollzugszielen durch therapeutische Behandlung ist gefährdet .Die Belastung des Krankenpflegepersonals und der verbliebenen Ärzte nimmt stetig zu.
„Besonders in der JVA Billwerder ist die Lage prekär; häufig sind die Pflegekräfte ohne Arzt; Sprechtage fallen unvorhersehbar aus; stellenweise ist das Krankenpflegepersonal genötigt Entscheidungen zu treffen, die eigentlich einem Arzt obliegen oder müssen zeitweise auf bestimmte Behandlungen aus Mangel an ärztlichen Personal verzichten und bringt damit die Bediensteten in Gewissenskonflikte. Ausführungen und Transporte von Gefangenen in umliegende Krankenhäuser oder ins Zentralkrankenhaus sind weitere Folgen und belasten das zu wenig vorhandene Vollzugspersonal zusätzlich. Die dadurch entstehenden Mehrkosten werden vermutlich über weitere Streichungen im Personalkostenbudget des Strafvollzuges gedeckt. Dieser Umstand ist für uns so nicht mehr tragbar. Um die geforderten Vollzugsziele und eine Kontinuität in der Behandlung von Insassen zu erreichen benötigen wir in allen JVA`en festes und ausreichendes Pflege- und Ärztepersonal.“ führt der stellv. Vorsitzende des LVHA René Müller aus.

Für Rückfragen: René Müller,  Telefon 0177 8893902 / Rudolf Klüver, Telefon 0151 4650 2803
Hamburg, 05.05.2014

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