dbb hamburg sieht Allgemeine Soziale Dienste zu Unrecht kritisiert

Geschrieben von karina geideck am in Nicht auf Startseite, Pressespiegel

dbb aktuell vom 28.05.2014

(dbb) In Hamburg laufen – gut fünf Monate nach dem tragischen Tod der kleinen Yagmur – Bemühungen auf Hochtouren, den Kinderschutz zu verbessern. Dazu werden neue Richtlinien entwickelt, die in erster Linie durch die Fachkräfte in den Allgemeinen Sozialen Diensten (ASDs) der Jugendämter der Hamburger Bezirke umgesetzt werden müssen. So sollen die Fachkräfte künftig noch mehr und verbindlicher als bisher mit anderen Diensten und Institutionen – etwa Familiengerichten, Kinderärzten, Rechtsmedizin, Kindertagesstätten, Staatsanwaltschaft – kooperieren.
Dass zusätzliche Ressourcen – trotz aller politischen Bekundungen – bislang nicht zur Verfügung gestellt wurden, stößt beim dbb hamburg auf Kritik. „Es ist allseits bekannt, dass die ASDs schon jetzt am Rande des Kollapses stehen; allein die Fallzahlen haben ein Ausmaß erreicht, das einen wirklichen Kinderschutz mehr und mehr in Frage stellt“, so dbb Landeschef Rudolf Klüver am 27. Mai 2014.
Frage man Fachkräfte der sozialen Arbeit und Sozialarbeits-Wissenschaftler danach, was der ASD für seine Arbeit dringend benötigt, seien die Antworten eindeutig: Zeit für den Kontakt mit Familien, Zeit für Diagnostik und kollegialen Austausch als Grundlage für die teils hoch-brisanten Entscheidungen sowie eine Arbeitsatmosphäre, die es erlaubt, gute und schwierige Fallverläufe zu reflektieren. Darüber hinaus brauchten die Fachkräfte ein Dokumentationssystem, das fachliche Reflektion unterstützt und Transparenz und Übersichtlichkeit sichert.
„Tatsächlich passiert das Gegenteil“, konstatierte Klüver und verwies auf einen „Wust von Vorschriften“. Und Frank Hail, Hamburger Landesvorsitzender des DBSH (Deutscher Berufs-verband für soziale Arbeit), ergänzte: „Gefährdet sind dadurch nicht nur die Standards von gutem Kinderschutz und der Rest an Motivation und Durchhaltevermögen der ASD- Mitarbeiter, die seit Jahren auf erträglichere Arbeitsbedingungen hoffen. Gefährdet sind die Kinder selbst, denn sie müssen sich schließlich auf die Kompetenz und das Engagement derer verlassen, die sie schützen sollen.“
(08/21/14)

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