Der dbb hamburg warnt: Bezirkliche Kundenzentren erneut kurz vor dem Kollaps!

Geschrieben von Michael Adomat am in Infos des dbb hamburg

Wie aus einer kleinen alert-146730_1280Senatsanfrage der fraktionslosen Abgeordneten Dora Heyenn (Drucksache 21/ 3725) hervorgeht spitzt sich die Situation in den bezirklichen Kundenzentren erneut dramatisch zu. Bereits im Oktober 2014 hatte der dbb hamburg auf unhaltbare Zustände in den Kundenzentren hingewiesen. Besser geworden ist kaum etwas, eher schlechter…

Gerade vor den anstehenden Sommerferien erwarten die Kundenzentren einen zunehmenden Besucherandrang, um z.B. Ausweise zu verlängern oder neu zu beantragen. Auch das Meldewesen ist reformiert worden. Zusätzliche Aufgaben müssen ohne zusätzliches Personal erledigt werden.

Die an sich gute Idee der Online-Terminvereinbarung (erstmalig eingeführt im März 2014) erweist sich als „Rohrkrepierer“. Die Vorlaufzeiten betragen derzeit durchschnittlich 60(!) Tage (in 2014 waren es 20 Tage). So genannte Spontankunden ohne Terminvereinbarung hingegen sollen nach Senatsangaben angeblich nur ein paar Minuten Wartezeiten in Kauf nehmen müssen (Anlage 3 zur Drucksache)…

Die Krankheitsquote liegt derzeit durchschnittlich bei über 11 %; im Vergleich zu den Zahlen aus dem Personalbericht 2015 liegt die Krankheitsquote damit weit über den „normalen“ Krankenständen (8,6 %).

Das größte Problem ist aber die Personalknappheit. Knapp 25 % aller Stellen sind derzeit frei oder unbesetzt oder werden aus welchem Grund auch immer freigehalten. Gegenüber 2014 ist die Beschäftigtenzahl um weitere 30 Personen auf Grund der senatsseitigen Sparvorgaben gesunken; dies sind hauptsächlich die in der Drucksache genannten Vakanzen.

„Es besteht hoher Handlungsbedarf! Viel zu spät oder eben gar nicht wird auf diese missliche Situation, die nicht neu ist, reagiert. Auch wenn die Bezirksämter beabsichtigen, die vakanten Stellen sobald wie möglich zu besetzen, dauert so etwas in den entsprechenden Ausschreibungs- und Auswahlverfahren mehrere Wochen bzw. Monate; ganz zu schweigen von den jeweiligen Einarbeitungszeiten,“ so dbb-Landeschef Rudolf Klüver.

Als grotesk bezeichnet der dbb-Landeschef die Angaben des Senats, dass Spontankunden nur einige Minuten Wartezeit in Anspruch nehmen müssen. „Wir haben ganz andere Rückmeldungen aus dem Beschäftigtenkreis in den Kundenzentren. Mehrere Stunden Wartezeit bis hin zu Rückweisung von Spontankunden sind keine Seltenheit, sondern das ist der tatsächliche Sachverhalt.“

Bei Steuereinahmen auf Rekordniveau auch weiterhin am Personalabbau festzuhalten ist nicht mehr nachzuvollziehen.

„Den Unmut der Bürgerinnen und Bürger bekommen die völlig überlasteten Beschäftigten in den Kundenzentren zu spüren; das ist schon unfair, wenn die Beschäftigten dann auch noch ihren Kopf für eine verfehlte oder unzureichende Personalpolitik hinhalten müssen. Das führt zu weiterem Frust und Demotivation, die Krankheitsquote wird weiter steigen. Diese Abwärtsspirale gilt es zu durchbrechen bzw. abzuwenden. Wir erwarten von den Verantwortlichen umgehend geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation“ so Rudolf Klüver abschließend.

Hamburg, 31.03.2016

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