„Keine Lust auf den Stress“

Geschrieben von Helgard Kastner am in Pressemitteilungen des dbb hamburg, Pressespiegel

Beamtenbund-Landeschef kritisiert Senat
Es fehlen Mitarbeiter!!

Hamburger Wochenblatt Nr. 17 vom 30. April 2016
Ausgabe Bramfeld bis Wandsbek
wochenblatt

Wochenlanges Warten auf einen Termin; wütende Bür­ger und Mitarbeiter, die am Ende ihrer Kräfte sind, kurz: in Hamburgs Kundenzent­ren (KuZ) herrscht das Chaos, und das schon seit langem. Wer ist verantwortlich, und wie kann man die Situation schnell verbessern?

Pressefoto - Klüver1 aktuell„Ich habe schon 2014 darauf hingewiesen, dass die Frust­ration der Mitarbeiter extrem hoch ist“, berichtet der Lan­desvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes (dbb), Rudolf Klüver. Danach sei das Kind erst richtig in den Brunnen ge­fallen – noch mal seien Stellen gestrichen und vorhandene nicht besetzt worden. „Es sind viele Stellen vakant. Mitar­beiter bewerben sich aus den Kundenzentren weg, weil sie keine Lust mehr auf diesen Stress haben“, sagt Klüver.

Nach einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordne­ten Dora Heyenn (partei­los) ergab sich im Januar dieses Jahres ein Kran­kenstand von 21,7 Pro­zent im KuZ Bramfeld. Auch in den Walddörfern (19 Prozent) fehlten viele Mitarbeiter (Kranken­stand im KuZ-Schnitt: 11,2 Prozent).

Nicht ganz so schlimm stellt sich die Situation in den Kundenzentren des Bezirks Mitte dar:

In Billstedt und St. Pau­li lag der Krankenstand im Durchschnitt (Januar 2015 bis Februar 2016) knapp über zehn Prozent, im KuZ Mitte (Steinstra­ße) bei elf Prozent. Hinzu kommt laut Klü­ver, dass derzeit von den rund 200 Stellen an allen Kundenzentren nur etwa 160 besetzt seien. Statis­tisch gesehen mussten Spontankunden (also sol­che ohne Terminreser­vierung) in den Ämtern Altona-Kerngebiet und Barmbek-Uhlenhorst mit Wartezeiten von bis zu 144 Minuten (wenn sie denn überhaupt dran kamen) besonders lan­ge warten. Die durch­schnittliche Wartezeit al­ler Kundenzentren lag im Frühjahr 2015 bei rund 45 Minuten.

Im Bezirk Mitte lagen die Wartezeiten für Spontan­kunden laut Auskunft des Senats auf die Heyenn-Anfrage jüngst bei 22 (Billstedt), 20 (St. Pauli) und 29 Minuten (Mitte). Die Angaben bezogen sich allerdings nur auf einen einzigen Stichtag (1. Februar 2016).

Die Misere begann spä­testens mit dem Jahr 2010: Auf Stellenstrei­chungen durch den Senat reagierten die Bezirke mit der Ein­schränkung der Öff­nungszeiten. Hinzu kam, dass sich durch die neuen Anforderungen die Bearbeitungszeit für das Ausstellen von Aus­weispapieren pro  Antrag mindestens verdoppelt hat. Exemplarisch für alle Bezirke hat das Wo­chenblatt auf der Basis von Bezirkszahlen er­rechnet, dass die Anzahl der Geschäftsvorfälle in den Kundenzentren des Bezirks Wandsbek von rund 345.000 im Jahr 2010 auf rund 159.000 (2015) zurückgegangen ist. Das ist ein Rück­gang um rund 53 Pro­zent. Inzwischen hat der Senat umgesteuert. Die Kundenzentren sind seit Mitte 2015 von Stellenstreichungen ausgenommen und die Bezirksämter seit kur­zem angehalten, die va­kanten Stellen schnells­tens zu besetzen. Allein, so einfach ist es nicht, meint Klüver

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