„Problemabrechnungssystem KoPers“

Geschrieben von Helgard Kastner am in Infos des dbb hamburg

100 Mio. € Software funktioniert immer noch nicht einwandfrei

Der Frust unter den Beschäftigten der Hamburger Verwaltung ist groß!

Zum einen ist das IT-System KoPers anscheinend immer noch nicht in der Lage eine Vielzahl der so genannten „unsteten“ Bezüge (Zulagen wie z.B. Dienst zu ungünstigen Zeiten am Wochenende) richtig und rechtzeitig abzurechnen; zum anderen müssen sich die Beschäftigten in den Personalabteilungen der Behörden immer noch mit einer hohen Anzahl von Programm- und Systemausfällen rumärgern.

Die Freie und Hansestadt Hamburg als Dienstherr und Arbeitgeber kommt damit ihren vertraglich geschuldeten Leistungen nicht bzw. nur unregelmäßig nach. Die Unruhe in der Belegschaft ist mittlerweile so hoch, dass einige Kolleginnen und Kollegen nicht nur laut über Kündigungen sprechen, sondern ebenfalls über Arbeitsniederlegungen nachdenken, da ihr Vertragspartner die geschuldete Leistung der regelmäßigen, richtigen und verständlichen Lohn- und Gehaltsabrechnungen und Gehaltszahlungen nur unregelmäßig und fehlerbehaftet nachkommt.

Seit über einem Jahr werden die Kolleginnen und Kollegen mit dem Versprechen der Besserung abgespeist; die Glaubwürdigkeit in ihren Arbeitgeber ist mittlerweile auf dem Tiefpunkt angekommen. Dabei handelt es sich überwiegend um Beschäftigte der niedrigen Einkommensgruppen (z.B. Objektschützer, Kraftfahrer und Fernsprechangestellte), die auf ihr Geld dringend angewiesen sind. So sind ausstehende Netto-Zahlungen von über 500,– € keine Seltenheit. In Einzelfällen kam es sogar zu systembedingten Überzahlungen von über 20.000,– €…

Jetzt wurde festgestellt, dass in der Abrechnung für April 2019 die unständigen Bezüge aus Februar 2019 zu einem großen Teil nicht gezahlt wurden. Mit der Einspielung der rückwirkenden Tariferhöhungen (rückwirkend zum 01.01.2019) zur Mai-Abrechnung droht nun weiteres Ungemach. Es müssen für ca. 35.000 Tarif-Beschäftigte wiederum Rückrechnungen erfolgen. Schon jetzt führen die so genannten Testläufe zu Systemausfällen. Mit dem Altsystem „Paisy“ gab es solche Probleme nicht.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der jeweiligen Personalabteilungen, die durch das Programm ohnehin schon schwer belastet sind, bekommen zu allem Überfluss auch noch den Frust der gesamten Mannschaft ab. Der letzte Release-Wechsel legte Anfang April 2019 das gesamte Verfahren für eine Woche lahm.

„Die Geduld der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist so ziemlich am Ende. Die Kolleginnen und Kollegen leiden zum Teil an Existenzängsten! Hier betrifft es nicht nur die Kolleginnen und Kollegen der Polizei, sondern auch vieler anderer Behörden, denn es sind nicht nur die Dienste zu ungünstigen Zeiten, die hier fehlerhaft sind, auch andere Zulagen werden/wurden zum Teil nicht oder mit erheblicher Verzögerung gezahlt. Auch wenn vom „Projekt KoPers“ immer wieder behauptet wird, zu 99 % funktioniere das System einwandfrei, warten Hunderte von Beschäftigten monatelang auf ihre korrekte Abrechnung. Und so einwandfrei -wie behauptet wird- läuft das System bis heute nicht,“ führt der dbb-Landesvorsitzende Rudolf Klüver aus.

Auch in Schleswig-Holstein, das ebenfalls mit KoPers arbeitet, berichteten unlängst die „Kieler Nachrichten“ von massiven Problemen; zwar wäre dort eine leichte Verbesserung eingetreten, denn man hätte nur noch 3500 Fälle aufzuarbeiten…

Hamburg, 10.05.2019

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